Vom Coder zum Builder: Wie KI die Software-Entwicklung bei MENTZ verändert

„Ersetzt KI bald die Entwickler?“ – Das ist wohl die Frage, die momentan am hartnäckigsten durch die Flure der Tech-Branche geistert. Man liest Schlagzeilen, die das Ende des klassischen Programmierers ausrufen, und im nächsten Moment sieht man Demos von KI-Tools, die aus einem vagen Satz einen fertigen Block Code zaubern. Da kann man schon mal ins Grübeln kommen.

Ich möchte hier keinen trockenen, wissenschaftlichen Fachartikel abliefern. Stattdessen gebe ich euch meine ganz persönliche Einschätzung als jemand, der tagtäglich bei MENTZ an Software für den öffentlichen Verkehr tüftelt. Seit über 50 Jahren bauen wir hier Systeme für Bus und Bahn, und glaubt mir: Wir haben schon einige Technologiewellen kommen und gehen sehen. Die aktuelle Welle rund um künstliche Intelligenz ist mächtig, gar keine Frage. Aber wenn ich in meine ganz persönliche MENTZ-Glaskugel schaue, sehe ich keineswegs das Aussterben der Entwickler. Was ich sehe, ist ein gewaltiger Wandel. Entwickler werden nicht überflüssig – aber das Berufsbild, wie wir es bisher kannten, zieht sich gerade ein völlig neues Kleid an.

Die Illusion des reinen „Code-Schreibens“

Sprechen wir die harte Realität direkt aus: Wer seinen Job als Softwareentwickler primär darin definiert, mechanisch Syntax in einen Editor einzutippen, wird es in den kommenden Jahren tatsächlich schwer haben. Das reine Übersetzen von Logik in Code-Zeilen ist schlicht keine isolierte Superkraft mehr. KI-Systeme erledigen das oft in Sekundenbruchteilen, wofür wir früher Stunden brauchten.

Aber ehrlich gesagt: Weinen wir diesem alten Zustand wirklich eine Träne nach? Ich jedenfalls nicht. Die Entwicklung nimmt uns heute schon genau die Dinge ab, die sich in der Vergangenheit oft wie Zeitverschwendung angefühlt haben. Das Schreiben von immer gleichem Boilerplate-Code, das Suchen nach vergessenen Semikolons, das repetitive Dokumentieren oder das Beheben von Standard-Bugs – das sind Aufgaben, die zwar gemacht werden mussten, aber selten die Seele eines Entwicklers erfüllt haben.

Der Wandel, den wir gerade erleben, ist befreiend. Die Arbeit verschiebt sich weg vom rein handwerklichen Eintippen hin zum echten Schöpfen und Wert-Generieren. Der Code ist nicht mehr das Ziel, sondern nur noch das Mittel zum Zweck. Und genau hier beginnt die Zukunft spannender zu werden, als sie es je war.

Das neue Berufsbild: Das Zeitalter des „Builders“

Wenn der klassische Coder leiser wird, wer tritt dann an seine Stelle? Viele nennen diesen neuen Typus von Entwickler gerne den „Builder“, und ich finde den Begriff ganz passend.

Ein Builder ist jemand, der KI-Tools wie ein extrem mächtiges Schweizer Taschenmesser nutzt, um aus vagen Ideen in rasender Geschwindigkeit funktionierende Produkte zu machen. Das Handwerk des Programmierens – das Wie – übernimmt in Teilen die Maschine. Die Verantwortung für das Was und das Warum bleibt hingegen vollkommen beim Menschen.

In unserer Branche, der Mobilität und dem ÖPNV, nützt der meiste Code der Welt nichts, wenn er die echten Probleme vor Ort nicht löst. Ein Fahrgast möchte verlässlich von A nach B kommen, eine Leitstelle muss bei Großstörungen rasch umdisponieren können, und Verkehrsverbünde brauchen komplexe Tarifstrukturen, die fehlerfrei rechnen.

Um solche Aufgaben zu lösen, muss man das Problem in der Tiefe verstehen. Das bedeutet: Zuhören, Nachfragen, den Alltag der Anwender begreifen. Das tiefere Verständnis für echte Kundenbedürfnisse wird in Zukunft die mit Abstand wichtigste Fähigkeit für Entwickler sein. Wer versteht, wo der Schuh drückt, nutzt die KI als Beschleuniger, um passgenaue Lösungen zu bauen. Wer das Problem nicht greift, dem hilft auch der beste KI-Prompt nicht weiter.

Wenn Business-Leute zu Entwicklern werden

Der spannendste Nebeneffekt dieser Entwicklung ist, dass die bisherigen Grenzen zwischen den Abteilungen stark verschwimmen. Plötzlich stehen neue Player auf dem Feld. Produktmanager, Supporter und Business-Experten – also die Menschen, die täglich im direkten Kontakt mit den Kunden stehen – können durch generative KI auf einmal selbst Software-Ideen umsetzen.

Sie haben einen unschlagbaren Vorteil: Sie kennen die Schmerzpunkte der Nutzer aus erster Hand. Frustrierende Umwege über langwierige Spezifikationsprozesse fallen weg, weil sie eigene Ideen nun ohne große Vorkenntnisse prototypisch testen können. Sie bauen sich ihre eigenen kleinen Werkzeuge oder klicken sich erste Klick-Dummies zusammen.

Das ist keine Bedrohung für uns Entwickler, sondern eine riesige Chance. Die Zusammenarbeit in den Teams sortiert sich völlig neu. Es entsteht eine Dynamik, in der nicht mehr monatelang über Machbarkeiten diskutiert wird, sondern rasch ausprobiert werden kann.

Wir merken das bei MENTZ bereits sehr deutlich, beispielsweise bei der Weiterentwicklung unserer Planung und Disposition, DIVA NG. Plötzlich reden Kolleginnen und Kollegen über konkrete technische Lösungsansätze mit, die das vor wenigen Jahren in dieser Form vermutlich nicht getan hätten. Da bringt die Supporterin auf einmal einen funktionierenden KI-gestützten Logik-Entwurf mit in das Meeting. Das führt zu fantastischen Diskussionen auf Augenhöhe. Es belebt den internen Austausch enorm und sorgt am Ende schlicht für bessere, durchdachtere Software für die Verkehrsbetriebe.

Mein Fazit: Aufbruch statt Untergang

Wenn ich das alles zusammenfasse, kann ich für mich eine klare Entwarnung geben: Entwickler sterben nicht aus. Ganz im Gegenteil – unsere Arbeit wird durch KI strategischer, kreativer und wesentlich kundenorientierter.

Die Zeiten, in denen man sich hinter dem Monitor verstecken und stur Tickets abarbeiten konnte, neigen sich dem Ende zu. Was entsteht, ist ein Berufsbild, das viel näher am Menschen ist. Wir werden zu echten Problemlösern, die KI als Übersetzungswerkzeug nutzen, um den Alltag von Fahrgästen und Verkehrsunternehmen spürbar einfacher zu machen. Bei MENTZ blicken wir extrem optimistisch in diese Zukunft, weil wir täglich sehen, wie viel Potenzial in dem Zusammenspiel aus jahrzehntelanger Branchenerfahrung und künstlicher Intelligenz steckt.

Vor Kurzem bin ich über ein Zitat gestolpert, das es für mich perfekt auf den Punkt bringt:

„Our job was never to write code, it was to solve problems.“

Genau darum geht es. Code war nie der eigentliche Selbstzweck, sondern nur die Methode. KI ist für uns ein extrem mächtiges Werkzeug, das uns hilft, diese Aufgaben schneller und smarter anzugehen – wovon am Ende alle profitieren, allen voran die Fahrgäste da draußen.

Aber wie siehst du das? Merkst du diesen Wandel in deinem Arbeitsalltag auch schon so deutlich? Entwickelst du noch klassisch Zeile für Zeile – oder „buildest“ du schon? Ich bin gespannt auf deine Meinung und deine Erfahrungen in den Kommentaren!